Micha-178 by Marie Staggat

Healthy on Tour // DJ Phonique im Interview.

Als weltweit gebuchter DJ lebt man keinen geregelten Alltag. Unterschiedliche Zeitzonen, ein verschobener Schlafrhythmus und schlechtes Essen auf Festivals – all’ das ist Gift für unseren Körper. Michael Vater, alias Phonique, ist erfolgreicher DJ und Producer aus Berlin, der in mehr als 60 Ländern der Welt auflegt.

Vor ca. 4 Jahren hat er seine Ernährung radikal umgestellt und ist heute Botschafter der veganen Gesellschaft Deutschland. Im Herbst erscheint sein neues und inzwischen 4. Album ‚Green Supreme‘ (Link mit Kostprobe weiter unten). Grund genug zu fragen, wie man es schafft, zwischen all den Bookings, Reisen und Promotions für das neue Album, auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten.

Hand aufs Herz. Das DJ-Life hört sich für uns, die einen regulären Tagesrhythmus haben, alles andere als gesund an. Viel Reisen, wenig Schlaf und schlechtes Essen auf Festivals. Was tust du, um dem entgegenzuwirken?

Den unsteten Schlafrhythmus kann ich leider nicht ändern. Auch wenn ich am Wochenende manchmal erst um 7 Uhr früh ins Bett komme, ruft ab montags der Alltag, da ich 3x in der Woche um kurz nach 6 Uhr aufstehe, um meinen Sohn Otis schulfertig zu machen. Aber mit ein klein wenig Routine kann man dem schlechten Essverhalten ganz einfach Herr werden. Ein paar Nüsse oder eine Banane sind immer gute Möglichkeiten, die man sogar an jedem Airport findet. Ansonsten habe ich etwa seit einem Jahr Mana* immer dabei und einen kleinen Mixer fürs Handgepäck mit dem ich mir auf Reisen überall Smoothies zubereiten kann. (*Mana ist ein hochwertiges Proteinpulver, das den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen aus natürlichen Zutaten wie Kokosöl, Sojaprotein und Ballaststoffen versorgt.)

Du lebst seit fast 4 Jahren vegan. Was hat dich damals dazu bewegt deine Ernährung umzustellen. Gab es einen ausschlaggebenden Wendepunkt in deinem Leben?

Als ich vor 3,5 Jahren angefangen habe meine Ernährung umzustellen, war ich einfach nur neugierig und habe eine 30 Tage Vegan-Kur anstelle meines jährlichen Teefastens gemacht.

Hast du gesundheitliche Veränderungen bemerkt?

Ja, bereits nach 5 Tagen habe ich einen enormen Energieschub gespürt. Mein Körper hat sich viel besser angefühlt. Ich bin z. B. morgens ohne schlechten Geschmack im Mund aufgewacht. Diese Zeichen kann man nicht leugnen. Seither lebe ich vegan.

Damals war die vegane „Szene“ noch relativ klein und überschaubar. Inzwischen wächst sie stetig. Vor allem in Berlin gibt es zahlreiche Restaurants mit veganen Optionen. Wie bewertest du diesen Wandel in unserer Gesellschaft. Ist die vegane Ernährungsform eher ein „Hype“ oder findet hier ein tatsächliches Umdenken in den Köpfen statt?

Das Wort „Hype“ wird meines Erachtens gerne von Vegan-Gegnern benutzt, die diese Ernährungsform als Trend bezeichnen. Tatsache ist aber, dass ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfindet und dies erst der Anfang ist. In Zukunft wird ganz sicher noch viel mehr passieren.

Als erfolgreicher DJ tourst du die Hälfte des Jahres durch die Welt. Wie schaffst du es dich auch auf deinen Reisen vegan und gesund zu ernähren?

Vegan ist generell nicht so schwierig, vegan und gesund kann dann schon eher ein Problem werden, wenn man als Option im Restaurant dann am zweiten Abend in Folge Pasta mit Tomaten isst :) Ich mache mich daher schon vor meinen Reisen schlau und nutze gerne die fantastische App/Webseite „HappyCow“, die weltweit viele vegan oder veganfreundliche Cafes und Restaurants listet.

Gibt es Lebensmittel, die du auf deine Reisen mitnimmst? Und wenn ja, welche?

Selbstgemachte Energyballs, z. B. aus Pekannüssen, Kakaopulver und Datteln oder leckere Proteinriegel sind immer gute Helfer für unterwegs. Wenn ich z. B. in Brasilien innerhalb des Landes reise, besorge ich mir bei Ankunft in Sao Paulo gleich Mandel- oder Sojamilch. Damit lässt sich auch in kleineren Städten ein gesundes Frühstück, wie ein Müsli mit frischen Früchten, schnell und einfach zubereiten.

Und im Flieger? Das Essen an Bord versuche ich persönlich immer so gut es geht zu vermeiden. Wie handhabst du das – vor allem auf Langstreckenflügen?

Ich finde es ja total blödsinnig auf einem 2-stündigen Flug Essen serviert zu bekommen. Ich kann auch vor und nach dem Flug essen und habe dann sicher gesündere Mahlzeiten als die aufgewärmte Pampe aus den Fliegern. Bei Langstreckenflügen ordere ich vorweg das Vegan Meal, das von allen Fluggesellschaften angeboten wird. Da ich auf Langstreckenflügen das Glück habe Business-Class zu fliegen, hat das Essen oftmals eine gute Qualität. Wenn nicht, dann pick ich mir die Highlights raus, oder esse meine mitgebrachten Müsliriegel.

Von Besuchen in Metropolen wie New York und L.A. weiß ich, dass das Thema „Clean Eating“ bereits seit vielen Jahren präsent ist. Es gibt aber auch viele Länder / Städte, die mit diesem Thema noch ziemlich hinterherhinken. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Natürlich gibt es besonders in den USA ganz tolle Restaurants. Als DJ bin ich allerdings oft nur ein/zwei Nächte in ein und derselben Stadt und habe kaum Zeit Restaurants zu besuchen. Zum Glück gibt es in den meisten Ländern noch die gute alte Traditionsküche die aus frischen und selbstgekochten Zutaten besteht. Das ist dann quasi ‚Clean Eating‘ von Natur aus und vegane Optionen kann man hierbei auch immer finden.

In welchen Ländern / Städten ist es eher schwierig sich vegan zu ernähren?

Richtig schwierig war es bisher noch nirgendwo. Alle Kulturen haben in ihrer traditionellen Küche viele pflanzenbasierte Gerichte, weil Fleisch früher keine Selbstverständlichkeit war. Diese Grundlagen sind bis heute geblieben. Ob tolle Reisgerichte in Bangladesch, Humus und Linsensuppe in den arabischen Ländern, Kartoffelgerichte mit einer Walnuss-Granatapfel Paste in Armenien, Reis und Bohnen in Südamerika, auf der ganzen Welt gibt es gesunde kulinarische Highlights!

Und welche sind deine Top 3 Städte / Länder für gesunde und vegane Optionen?

New York ist für mich die Nummer 1, weil es hier so eine große Auswahl an tollen Restaurants gibt. Berlin hat zwar weniger vegane Restaurants im Fine-Dining-Bereich, dafür gibt es hier die erste vegane Pizzeria Europas und jede Menge Cafes mit guten Snacks. Bei Platz drei hab ich so meine Probleme, denn es gibt inzwischen in vielen Städten tolle gesunde und vegane Optionen. Vielleicht würde ich mich für Moskau, Kiev, Amman, oder Istanbul entscheiden.

Oftmals bekomme ich zu hören, dass eine gesunde Ernährung nur schwer in unseren Alltag zu verankern sei. Welchen Tipp würdest du anhand deiner Erfahrungen weitergeben?

Es hilft sehr sich Gedanken zu machen und einen Plan aufzustellen. Finde heraus, was dir schmeckt und wie dein Tagesablauf bestimmt ist. Bist du zum Beispiel morgens eher der Müsli-, Smoothie- oder Brot-Typ? Gehst du mittags eher auswärts essen oder nimmst dein Essen mit zur Arbeit? Im ersten Step hilft es bei seinen Vorlieben und Gewohnheiten zu bleiben und diese dann als gesunde Option in den Tagesablauf einzubauen. Isst du z. B. gerne Müsli, dann probiere doch mal Pflanzenmilch statt herkömmliche Milch. Ich habe z. B. neulich Lupinenmilch für mich neu entdeckt.

Auch Dinge vorzubereiten hilft enorm, wenn es darum geht Ernährungsgewohnheiten erfolgreich umzustellen. Selbst Smoothies lassen sich abends zuvor vorbereiten. Ich nehme auch gerne Nüsse und Samen für unterwegs mit, wenn ich weiß, dass der Salat in der Mittagspause eher fad ausfällt. Nüsse und Samen sind super, um jedes Gericht zu „pimpen“.

Was auch immer hilft ist ein Notfallplan. Immer ein paar schnelle und gesunde Gerichte, wie eine eingefrorene Lieblingssuppe zu hause haben, falls man doch zu sehr im Stress ist, oder, wenn es sehr schnell gehen muss, einen guten Sattmacher-Shake trinken.

Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Ich bin schon ganz gespannt auf die CD, die im Herbst erscheinen wir und wünsche dir viel weiterhin Erfolg. Und da müsst ihr Reinhören!!! Mein absoluter Lieblingshit und eine Kostprobe zur neuen Single gibt es hier.

Weitere Infos zu Phonique:
Michael Vater alias Phonique gehört zu den erfolgreichsten D.J.’s in Deutschland, der sich mit seinen warmen Deep-House-Beats als einer der ersten, Mitte der 90er Jahre, in der Berliner-Club-Szene einen Namen machte. Heute legt er in mehr als 60 Ländern der Welt auf und tourt davon allein 6x im Jahr nach Brasilien. Im Herbst erscheint sein neues und inzwischen 4. Album ‚Green Supreme‘.

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