HannahFrey

Clean Talk // Hannah Frey von Projekt: Gesund Leben im Interview über „Clean Eating“.

Vor ein paar Wochen habe ich den Clean Eating Workshop von Chefkoch mit Hannah Frey besucht und der zurzeit gefragtesten Expertin zum Thema Clean Eating ein paar Fragen zu der Ernährungsform gestellt, die ganz auf naturbelassene Lebensmittel setzt.

Als Gesundheitswissenschaftlerin ernährt sich Hannah bereits seit 2011 nach dem Clean-Eating-Konzept und bloggt darüber auf „Projekt: Gesund Leben“. Gerade ist ihr ihr 4. Buch „Clean Eating Basics“ erschienen.

Hannah war mir beim ersten Kennenlernen gleich sympathisch, denn obwohl sich in ihrem Leben fast alles um das Thema Gesundheit und Ernährung dreht, bleibt sie darauf angesprochen, sehr gelassen und entspannt. Genauso wie ich, mag auch sie bei der Ernährung keine starren Regeln oder permanenten Verzicht, sondern erlaubt sich auch mal gelegentliche Ausnahmen. Eine Einstellung die ich mit ihr teile und dir mir gefällt. Aber lest selbst.

CleanEating

Ernährung und Gesundheit ist derzeit aktueller denn je. Wolltest du schon immer einen Blog zu diesem Thema starten?

Einen Blog nicht, nein. Blogs sind ja erst seit einigen Jahren bekannt. Für das Thema Gesundheit interessiere ich mich aber schon lange, denn damit bin ich quasi in der Zahnarztpraxis meiner Eltern groß geworden. Gesundheit war daher schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ein Buch wollte ich dagegen schon immer schreiben, da ich schon immer gerne geschrieben habe und mein Traum schon als Kind war, einmal mein eigenes Buch in den Händen zu halten. Dass ich mit 25 Jahren meinen ersten Buchvertrag unterzeichnen würde, hätte ich aber nie für möglich gehalten.

Mittlerweile hast du bereits dein 4. Buch veröffentlicht. Alle Bücher drehen sich um das Thema Clean Eating, eine moderne Form der Vollwerternährung, die ohne Weißmehl, Industriezucker, Fast Food und künstliche Zusatzstoffe auskommt.Wie und warum bist du vor 5 Jahren auf diese Form der Ernährung aufmerksam geworden?

Als ich nach dem Abitur von zuhause auszog und plötzlich für mich selbst sorgen musste, habe ich mich erst einmal komplett anders ernährt, als ich es von zuhause gewohnt war. Es gab viele Fertigprodukte und mittags war ich oft in der Mensa. Nach einiger Zeit machte sich dies vor allem körperlich bemerkbar: ich hatte nicht nur ein paar Kilos zugenommen und fühlte mich unwohl, sondern hatte auch fast jeden Tag ein schlimmes Mittagstief. In den Vorlesungen hätte ich regelrecht einschlafen können. Als angehende Gesundheitswissenschaftlerin wurde mir schnell klar, dass ich etwas ändern musste. Schon alleine wegen des Vorbildcharakters. So begann ich, wieder mehr Sport zu machen (der ebenfalls auf der Strecke geblieben war) und suchte im Internet nach Möglichkeiten, mich gesund zu ernähren. Damals gab es aber noch sehr wenig deutschsprachige Informationen über Gesundheitsthemen, nicht zu vergleichen mit der Fülle an Informationen, die wir heute vorfinden. So landete ich auf englischen Gesundheitsblogs und bin darüber auf das Thema „Clean Eating“ gestoßen.

Konntest du durch die Ernährungsumstellung auch körperliche Veränderungen feststellen? (z. B. fitter, leistungsfähiger etc.)

Ja, auf jeden Fall, sonst wäre ich auch nicht drangeblieben. Neben dem Leistungstief am Mittag, das verschwunden ist, habe ich die zugenommenen Kilos ohne Anstrengung wieder verloren. Ich fühle mich allgemein wohler und fitter, außerdem hat sich meine Haut verbessert.

Clean-Eating erfährt zurzeit einen regelrechten „Hype“ auf allen Kanälen. Und das, obwohl diese Ernährungsform gar nicht neu, sondern durch die Verwendung von Superfoods neu interpretiert wird. Wie erklärst du dir auf einmal dieses große Interesse?

Ich glaube, dass Clean Eating gerade aufgrund seiner Einfachheit immer mehr Anhänger gewinnt. Das Bewusstsein für „richtiges“ Essen abseits von Convenience- und Fast Food kommt langsam wieder, nachdem uns lange vermittelt wurde, dass industriell hergestellte Produkte Zeit sparen, günstig sind und zudem noch lecker sein sollen. Viele Menschen haben zudem das Bedürfnis, sich möglichst natürlich zu ernähren, um langfristig gesund zu bleiben und ernährungsbedingten Krankheiten vorzubeugen.

Sich „clean“ zu ernähren, bedeutet auf industriell hergestellte Lebensmittel zu verzichten und frisch zu kochen. Für viele ist das erst mal eine große Umstellung, die oftmals mit dem fehlenden Zeitfaktor begründet wird. Was sollte man deiner Meinung nach bei der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten beachten?

Mit ein wenig Planung kann jeder das Clean-Eating-Konzept gut in seinen Alltag integrieren. Natürlich ist eine Ernährung mit vielen frischen Zutaten und selbst zubereiteten Gerichten manchmal aufwändiger. Am Anfang ist es sinnvoll, sich erst einmal mit den Nahrungsmitteln, die man bisher gegessen hat, zu beschäftigen. Also einmal nachzuschauen, was sich so in den Vorratsschränken und im Kühlschrank befindet. Danach rate ich dazu konsequent auszumisten und gesund einzukaufen. Wichtig dabei ist es, immer auf die Zutatenlisten der Nahrungsmittel zu schauen, um zu entscheiden, ob ein Produkt clean ist, oder nicht. Anfangs hört sich das umständlich an, aber mit ein wenig Übung hat man schnell raus, welche Nahrungsmittel ins Konzept passen, und welche nicht.

Hast du Tipps, wie man sich auch bei einem hektischen Alltag einfach und schnell „clean“ ernähren kann?

Ich habe gelernt, dass das A und O eine gute Vorbereitung ist. Wenn ich es einmal nicht geschafft habe, meinen Wochenplan zu erstellen und mir zu überlegen, was ich koche, greife ich auch eher zu „nicht-cleanen“ Dingen, als wenn alles geplant und vorbereitet ist.

Was hältst du von den zum Teil kontrovers diskutierten Superfoods?

Unter dem Begriff „Superfoods“ verstehen die meisten ja exotische Nahrungsmittel aus fernen Ländern, die erst seit einigen Jahren auch bei uns erhältlich sind, wie zum Beispiel Chia-Samen, Gojibeeren oder Quinoa. Für mich sind Superfoods aber grundsätzlich Lebensmittel, die eine hohe Nährstoffdichte haben. Das können also auch einheimische Lebensmittel sein, wie beispielsweise Grünkohl, Kürbisse oder Heidelbeeren. Ich mag beides sehr gerne – die einheimischen und auch die „exotischen“ Superfoods. Mir ist immer wichtig, die Balance zu halten und mich ausgewogen zu ernähren – und dazu verwende ich auch die „kontrovers“ diskutierten Superfoods.

Du ernährst dich nach dem 80% zu 20%-Prinzip (80% „cleane“ Lebensmittel), was auch ich für eine gesunde Einstellung auf dem Weg zu einer dauerhaften Ernährungsumstellung halte. Bei welchem „ungesunden“ Nahrungsmittel wirst du hin und wieder schwach und wie gehst du damit um?

Ich liebe Kuchen und wenn ich Lust darauf habe, dann mache ich ab und an mal eine Ausnahme und esse einfach ein Stück – denn auch hier finde ich es nämlich sehr wichtig, eine gesunde Balance zu wahren.

Vielen Dank für das Interview, liebe Hannah.

Kokos_ChiaPudding

Im Clean Eating Workshop haben wir mit Hannah noch diesen leckeren Chia-Kokos-Pudding zubereitet. Der Pudding schmeckt himmlisch und lässt sich ganz einfach zubereiten. Probiert ihn unbedingt aus. Das Rezept findet ihr hier.

Mehr über Hannah und weitere Bücher von ihr zum Thema Clean Eating findet Ihr auch direkt auf ihrem Blog Projekt: Gesund Leben.

Fotoquelle Hannah Frey © Franzi Schädel

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